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Vom Renterparadies zum Surferparadies – Jack Johnson in Bad Oeynhausen
Geschrieben von: Christoph Lorenz   
Montag, den 05. Juli 2010 um 10:43 Uhr
Es ist Dienstag Nachmittag und die Sonne scheint in Kiel. Stefan und ich stehen auf dem Supermarkt-Parkplatz und beladen den Bulli für unseren etwas anderen Surftrip. Da weder an Nord- und Ostsee Wind oder Welle angesagt ist, heißt der „Spot“ unserer Wahl diesmal Bad Oeynhausen.

Bad Oeynhausen?! Jeder Surfer mag sich nun verzweifelt am Kopf kratzen, wo nun dieser geheime Spot nun wieder liegen mag. Auch wir mussten erst einen Blick ins Internet werfen, um festzustellen, dass es sich hierbei um einen Kurort handelt, der circa 80 Kilometer entfernt von Hannover liegt. Und schon bei der Anfahrt ist klar: Die Surfbretter werden diesmal nicht zum Einsatz kommen, denn in Bad Oeynhausen werden Stefan und ich nicht auf dem Wasser, sondern auf der musikalischen Welle reiten. Denn es geht zum N-JOY Geheimkonzert mit Jack Johnson! Der sympathische Musiker und Surfer, der auf Oahu aufgewachsen ist und dort bereits mit 17 Jahren einen Profi-Surfvertrag mit Quiksilver in der Tasche hatte, lud nämlich zu einem kleinen Konzert mit gerade einmal 300 Gästen ein, um sein neues Album „To the Sea“ vorzustellen und Strandfeeling in Deutschland zu verbreiten.

Schon auf der Autobahn sind Stefan und ich uns einig: Dieser „Surftrip“ scheint entspannt zu werden. Das Wetter ist super und wir müssen uns keine Gedanken machen, ob Wind und Wellen für einen guten Tag auf dem Wasser ausreichen werden. Circa drei Stunden später erreichen wir Bad Oeynhausen. Die Kurstadt mit circa 50.000 Einwohnern kann uns auf den ersten Blick noch nicht begeistern. Jedoch meint es unser Navi gut mit uns und leitet uns zu einem gemütlichen Plätzchen direkt am Kurpark – hier gefällt es uns schon viel besser.

Der Park hat eine tolle Atmosphäre, die durch den sonnigen Abend auch uns einfängt. Bei unserem ersten Kaltgetränk am Bulli kommen Stefan und ich ins Grübeln, ob es an unserem Alter liegen könnte, dass wir uns im Kurpark richtig wohl fühlen. Beim zweiten Kaltgetränk haben wir diesen Gedanken jedoch schon wieder verworfen. Der Kurpark wurde von 1851 bis 1853 nach Plänen von Peter Joseph Lenné, dem wohl bekanntesten preußischen Gartenarchitekten, angelegt und scheint die grüne Oase des Ortes zu sein, welche auch nach über 150 Jahren die Kurgäste anzieht und dazu animiert die abendlichen Sonnenstrahlen zu genießen.

Doch heute Abend ist hier etwas anders: Neben den betagten Kurgästen sieht man grillende und picknickende Studenten auf dem Rasen, Mädchen mit Blumenketten und mit Hibiskusblüten im Haar steigen neben uns aus dem Auto. Man erkennt hier sofort, wer auf dem Weg zum Beachboy Jack Johnson ist. Da es die Karten für das Konzert ausschließlich zu gewinnen gab, sind hier alle super glücklich bei diesem einzigartigen Event dabei sein zu können.

Nicht ganz so viel Glück haben die „Blumenmädchen“ neben uns. Eigentlich hatten sie geplant auf dem Campingplatz zu übernachten, mussten jedoch feststellen, dass dieser bereits um 20 Uhr schließt. Bei einem Ort, dessen sportliches Highlight anscheinend darin besteht schon zum wiederholten Male Austragungsort der deutschen Schachmeisterschaften zu sein, verblüfft uns das eigentlich nicht wirklich. Die Mädels mussten Ihr Zelt in Rekordzeit wieder einpacken und entschließen sich spontan auch einfach in ihrem Auto neben uns zu übernachten. Während die beiden noch dabei sind ihr Nachtlager aufzuschlagen, machen wir uns auf den Weg zur „Wandelhalle“ - ein repräsentatives Gebäude aus dem Jahre 1926, welches inmitten des Kurparkes liegt und wo eine Stunde später das Konzert beginnen wird.

Und auch vor der Wandelhalle ist heute alles anders. Der riesige schwarze Tourtruck von Jack hebt sich kontrastreich vor der weißen Wandelhalle ab und erinnert mich irgendwie an das rollende Zuhause von Knight Rider. Gleichzeitig überkommt uns etwas Mitleid mit dem Fahrer des Trucks, da im Radio vorhin gemeldet wurde, dass der große Truck ganze fünf Stunden durch die engen Straßen des Ortes benötigt hat – wir benötigten gerade mal 15 Minuten. Stefan tippt auf ein schlechtes Navi, während ich mich noch damit beschäftige, wie es dem Fahrer überhaupt möglich war den Truck dort hinzubekommen. Auf jeden Fall nehme ich mir vor nicht mehr über den langen Radstand meines Bullis beim Einparken zu jammern!

Auch die Senioren sind über die Veränderung in Ihrem Kurpark etwas verwirrt und fragen bei den anstehenden Konzertbesuchern nach, was denn hier so vor sich geht. Die Antwort, dass es sich um ein Jack Johnson-Konzert handelt, hilft dem Kurgast leider auch nicht viel weiter - und so wird mit einem Achselzucken der Spaziergang fortgesetzt.

Gegen 20.30 Uhr öffnen sich dann die Türen der Wandelhalle und wir betreten zusammen mit den anderen 300 Gästen den Konzertsaal. Während wir uns ein schönes Plätzchen vor der Bühne suchen, fragen wir uns, wann es denn endlich voll wird. Aber das ist wohl der große Vorteil eines N-JOY Geheimkonzertes: Es wird einfach nicht voll! Stefan und ich stehen nun gerade mal 3 Meter von der Bühne entfernt und haben immer noch richtig Platz. Und auch der Flip-Flop tragende Typ neben mir muss sich keine Sorgen um seine Füße heute Abend machen.

Um 21 Uhr ist es dann soweit und Jack Johnson betritt mit seiner Band, bestehend aus Merlo Podlewski (Bass),  Adam Topol (Schlagzeug) und Zach Gill (Piano & Gesang), die Bühne und startet das Konzert mit seinem neuen Song „You And Your Heart“. Mit seinen alten und auch neuen Liedern schafft er es schnell alle Konzertbesucher gefühlsmäßig an die Strände von Hawaii zu beamen. Der Funke springt auf alle schnell über und das Konzert scheint für alle Gäste ein einzigartiges und besonderes Erlebnis zu sein! Irgendwie habe ich das Gefühl als würde er gerade in meinem Wohnzimmer spielen. Und auch Jack scheint an dem kleinen Konzert richtig Spaß zu haben, so dass es zum Abschluss des Konzertes noch zwei ungeplante Zugaben gibt. Besonders sympathisch: Jack Johnson und seine Band müssen sich erst einmal auf die Titel für die Zugaben einigen und auch kommt es beim letzten Lied („Taylor“) zu einem leichten Texthänger bei Jack, bei dem ihm Bandkollege Zach Gill auf die Sprünge helfen muss. Jack nimmt es locker mit einem Lächeln – ein Lächeln das ansteckt. Nach 90 Minuten endet das Konzert und 300 begeisterte Fans verlassen ebenfalls mit einem Lächeln die Wandelhalle.

Auch Stefan und ich sind restlos von diesem Geheimkonzert begeistert. Und während wir vor der Wandelhalle stehen und über die positive und entspannte Atmosphäre der Location, des Konzertes und des gesamten Abends philosophieren, radelt Jack Johnson auf dem Weg zu seinem Hotel mit seinem Mountainbike gemütlich an uns vorbei (Mountainbike und Wellenreiter sind seine ständigen Begleiter auf jeder Tour). Wir schauen ihm hinterher und hoffen insgeheim, dass er auf seiner nächsten Tour auch  der Windsurfhauptstadt Deutschlands einen Besuch abstatten wird.

So langsam holt uns die nächtliche Kälte im Kurpark zurück aus dem musikalischen Sommer und wir machen uns auf dem Weg zu unserem Bulli. Und morgen früh geht es dann zurück an die Ostsee – jedoch mit wesentlich mehr Gelassenheit, Sonne und Lebensgefühl im Gepäck!

Hier findet Ihr die beiden Zugaben des Abends als Video-Konzertmitschnitt und zwei YouTube Videos von N-Joy mit den Liedern "You And Your Heart" und "Sitting, Waiting, Wishing":





Text: Christoph Lorenz
Fotos: Christoph Lorenz, Stefan Stiller, Sandra Krosa
 

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